Ein Bewohner einer unserer Außenwohngruppen berichtet

„… ich hörte von einer Außenwohngruppe, in der Leute auf mich aufpassen würden. Vorher dachte ich erst, dass ich in einem Heim, wenn nicht weiter einsam alleine leben müsste. Die Entscheidung für die Außenwohngruppe fiel mir – noch stark selbstbestimmt – leichter. Ich lebe nun seit drei Jahren hier und habe meine unterstützte Bleibe auf Zeit bisher nicht bereut.

Unsere Wohngruppe ist bunt gemischt von Anfang 20 bis ins Rentenalter hinein. Wir werden meistens von Frauen betreut, die den Anschein erwecken, als wären wir nicht bloß kranke Klienten sondern die uns wie Menschen behandeln. Wichtig ist dabei die Leitlinie der Gesop, Menschen in ihrer Verschiedenheit zu schätzen und respektvoll ernst zu nehmen.

Das erste halbe Jahr ist immer die Zeit der Umgewöhnung jedenfalls für die meisten von uns: Tabletten setzen, kontrollierte Putzpläne, Kochgruppen und Bewohnerversammlungen. Dazu kommt das Einrichten in Domizil. Dazu dann noch der Aufbau einer unerlässlichen Tagesstruktur. Das alles im Hinblick auf ein wieder selbstständiges Leben irgendwann. Man muss sich erst mal an den Rahmen mit sieben anderen Männern unterschiedlichen Alters und Bezugsbetreuung gewöhnen. Man weiß das man nie alleine ist im Gegensatz zu einer normalen WG. Denn anders als in einer normalen Wohngemeinschaft haben wir immer noch jemanden der bei Streitigkeiten vermittelt. Streiten tun wir uns eigentlich nie, nur wegen des Putzens. Gemeinsame Zeit verbringen wir nicht sehr oft aber regelmäßig gibt es eine Kochgruppe bei der alle zusammen an einem Tisch sitzen und speisen. Und natürlich begegnet man sich nicht in geteilten Räumen ohne miteinander zu schnacken. Wir kümmern uns ansonsten jeder selbst um sein Leben: Vorbereitung auf später. Wann immer das nach der Eingewöhnungszeit sein soll… Denn weg will nicht gleich jeder, hier geht es uns sehr gut und uns wird bei vielen nach Bedarf und bestem Wissen und Gewissen geholfen

Außerdem hat man nicht das Konfliktpotenzial und deshalb mehr Chancen als bei den eigenen Eltern oder ohne Sozialarbeiter*innen im Haushalt. Vieles wird uns selber zugetraut, was sich in den halbjährlichen Hilfeplangesprächen zeigt. Und wo wir unsicher sind oder eine Anstupser verbrauchen dort sind die Sozialarbeiter*innen wie die bezaubernde Jeanny zur Stelle. Wenn es sein muss sogar morgens um sieben. Und alle kennen das ja: manchmal fehlt bloß der Anstupser zum Erfolg.

Wir leben von Taschengeld und Essensgeld und hin und wieder gibt es von der Gesop einen Event beispielsweise Grillen, Kurzurlaub oder Essen gehen spendiert. Für Hobbys wie Spielen oder ähnliches kommt auch mal zusätzlich jemand zu uns oder aber die Mitarbeiter haben Zeit. Jedoch lernen wir und das AWG Konzept ist daraufhin ausgelegt sich selbst einen ausgefüllten Tag zu schaffen. Irgendwann ist dann damit jeder mal bereit für den Schritt hinaus in die eigene Wohnung.

Bis dahin unterstützen uns die AWG Mitarbeiter*innen nach bestem Wissen und Gewissen. Dazu kommt natürlich noch die netten Nachbarn – mit allen verstehe ich mich gut. Eine Angst in einer eigenen Wohnung zu ziehen verfliegt allmählich, doch wenn ich ausziehe, dann werde ich ambulant Betreutes Wohnen wählen. Es sei denn, ich als Mensch mit besonderen Eigenheiten fände eine Wohngemeinschaft wo alles so harmoniert wie in der stationären Außenwohngruppe mit Sozialarbeiter*innen jeden Nachmittag als Ansprechpartner…“